Miteinander lernen

Quietschi

Ein Bild für den unruhigen Teil in uns, der dazwischenfunkt, Aufmerksamkeit sucht und Lernen schwer machen kann.

Ein erster Eintrag

Manchmal ist in einem Kind etwas wach, das immer dazwischenfunkt. Es ruft rein, macht Geräusche, stört, sucht Aufmerksamkeit und kommt selbst nicht zur Ruhe. Ich meine damit nicht das Kind als Ganzes. Ich meine einen Teil, der in manchen Momenten sehr laut wird. Für diesen Teil habe ich im Unterricht ein Bild gefunden: Quietschi.

Quietschi ist nicht böse. Quietschi ist oft aufgeregt, voll, genervt, innerlich durcheinander oder einfach nicht bereit für den nächsten Schritt. Genau das macht die Situation so schwierig: Wenn Quietschi alles bestimmt, wird Zuhören anstrengend und Lernen schwer.

So könnte man es einem Kind sagen

Weißt du, manchmal ist in uns ein Teil, der ganz laut werden will. Ich nenne diesen Teil Quietschi. Quietschi will reden, Geräusche machen, stören und die ganze Aufmerksamkeit haben. Aber Quietschi hilft dir nicht beim Lernen.

Die gute Nachricht ist: Du bist nicht einfach Quietschi. Quietschi ist nur ein Teil von dir. Du kannst ihm sagen: Jetzt nicht. Sei bitte ruhig. Ich will zuhören, nachdenken und lernen. Später können wir uns wieder um dich kümmern. Aber jetzt fahre ich meine Antennen aus.

Der Gedanke dahinter

Viele Kinder brauchen ein einfaches inneres Bild, um ihr Verhalten überhaupt erst wahrnehmen zu können. Quietschi ist deshalb kein Etikett für ein Kind, sondern ein Bild für den unruhigen, drängelnden Teil in uns, der Aufmerksamkeit will und das Lernen stören kann. Wenn Kinder lernen, diesen Teil zu erkennen, entsteht oft ein kleiner Abstand. Und genau dieser Abstand kann der Anfang von Selbststeuerung sein.

Wichtig dabei

Es reicht nicht, die Geschichte einmal zu erzählen und zu hoffen, dass danach alles gut wird. Kinder spüren sehr genau, ob wir etwas ernst meinen oder nur schnell eine schöne Erklärung anbieten. Darum braucht dieses Bild Ruhe, Klarheit und Wiederholung.

Wenn ähnliche Situationen wieder auftreten, kann man an Quietschi erinnern und die Geschichte noch einmal aufnehmen. Nicht spöttisch und nicht als Witz, sondern so, dass das Kind merkt: Ich werde gesehen, und wir suchen gemeinsam einen Weg heraus.

Hinter auffälligem Verhalten stecken oft Muster, die dem Kind selbst nicht helfen. Dann sitzt es in einer inneren Zwickmühle und weiß oft gar nicht mehr, wie es da wieder herauskommen soll. Gerade dann ist Vertrauen fast noch wichtiger als die richtigen Worte.

Worum es eigentlich geht

Es geht nicht darum, Kinder still zu machen, damit es für Erwachsene bequemer wird. Es geht darum, wieder Lernfähigkeit zu öffnen. Aufmerksamkeit ist eine Voraussetzung dafür, dass Freude, Mut und echtes Verstehen überhaupt entstehen können. Wenn Kinder ihre Antennen ausfahren, kann aus Unruhe wieder Offenheit werden.

Gerade in Gruppen und Grundschulklassen wird oft zuerst auf den musikalischen Inhalt geschaut. Doch das gemeinsame Lernen braucht immer auch Beziehung, Klarheit, Sprache und Bilder, die Kindern helfen, sich innerlich zu sortieren.

Ein Anfang

Quietschi ist als Bild gedacht, nicht als Schublade. Vielleicht hilft genau dieses Bild, vielleicht später ein anderes. Wichtig ist, dass Kinder einen Weg finden, ihr inneres Dazwischenfunken überhaupt zu bemerken. Erst dann kann allmählich etwas ruhiger werden.

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